| Diese völlig
unkonventionell konzipierte CD ist eine bemerkenswerte Einspielung.
Selten begegnet man einer neueren Orgelmusik, die auf so packende,
vitale und virtuose Weise fantasievolles ad hoc-Musizieren zum
Hörerlebnis werden lässt. Die eher romantische Orgel
wurde vom Tonmeister des ORF prächtig in Szene gesetzt.
1 ist eine bewegte, klanglich schwirrende Toccata als Einleitung.
2 – 4 sind in ihrer Tonsprache die progressivsten Stücke,
sind aber aufgrund ihrer Vitalität und klanglichen Subtilität
gut zu hören. 5 bringt eine Entspannung mit einer wunderschönen,
apart harmonisierten Melodia. 6 ist ein wuchtiges Nachspiel, 7
ein farbiges Ostinatostück. Das Spiel mit Zungenregistern
als Track 8 zeichnet sich durch melodische Schönheit im eher
französisch-romantischen Stil aus. 9 präsentiert sich
als rhythmisches Fest, vital und virtuos. 10 „O du lieber
Augustin“ ist quasi als Zugabe gedacht, man lasse sich überraschen.
Werke
Toccata I
Intervallspiel und mehr
Septimenklänge und mehr
Klangflächen mit Strukturierungen
Melodia
Kirchenlied "Christ fuhr gen Himmel" in der Art eines
Nachspiels
Ostinato
Spiel mit Zungenregistern
Toccata II
"O Du lieber Augustin"
Erste Rezensionen
Neu auf dem CD-Markt: Ein meisterlicher Orgel-Improvisator
Ganz schön mutig von einem Künstler,
der ein (höchst erfolgreiches) Leben lang meist das nachspielte,
was andere komponiert haben, nun in der Reife seiner Jahre eine
CD ausschließlich mit Eigenschöpferischem zu veröffentlichen.
Günther Fetz hat viele gute Gründe dafür. Unter
anderem den, dass die Improvisation als Pflichtübung eines
praktizierenden Organisten schon immer einen hohen Stellenwert
bei ihm eingenommen hat, auch bei Zugaben nach Konzertprogrammen.
Nun aber ist Improvisation einmal nicht Beiwerk, sondern
Hauptsache. Und da zeigt sich der Spezialist für Alte Musik
von einer für viele neuen Seite. Vor allem in seiner überschäumenden
Fantasie, mit der er spontan Musik erfindet, zehn Kleinodien,
risikoreich aus der Laune des Moments heraus geboren. Klanglich
oft verblüffend durch raffinierte Registerkombinationen an
jenem Instrument, das ihm seit seiner Jugend künstlerische
Heimat ist, der prächtigen Orgel von St. Ludwig in Lindau-Aeschach.
Eine ideale Kombination also von Inspiration, Handwerk und Instrument.
Fetz lässt zwar seinen Eingebungen freien Lauf, doch
ist ihm auch die Form wichtig, bei zwei virtuosen Toccaten und
einem choralgebundenen Postludium über „Christ fuhr
gen Himmel“. In seiner ureigensten Tonsprache ist er nicht
zimperlich, Titel wie „Septimenklänge und mehr“
oder „Klangflächen mit Strukturierungen“ zeigen,
wie sehr er die polytonale Farbigkeit, die schmerzlich sich aufbäumende
Dissonanz liebt, um sie dann zur strahlenden Auflösung zu
führen. Nach über 50 Tonträgern als Organist und
Cembalist wohl die persönlichste Visitenkarte von Günther
Fetz.
Fritz Jurmann - „Vorarlberger Nachrichten“, 20.
Dezember 2007
Fetz präsentiert Orgelwerke auf CD
LINDAU (gla) - Seit drei Jahren ist der renommierte Cembalist
und Organist Günther Fetz wieder an jenem Instrument
in St. Ludwig in Aeschach zu hören, an dem er früher
über 20 Jahre lang wirkte. Wer ihn im Gottesdienst oder in
Konzerten erlebt, weiß, wie Günther Fetz die alte Organistenkunst
der Improvisation beherrscht - nun hat er zehn äußerst
unterschiedliche Improvisationen auf CD festgehalten.
Spontan, aus dem Moment schöpfend soll die Improvisation
eines Organisten sein, sie kann Erlebtes vertiefen oder neue Blickwinkel
schaffen… Fetz weiß, wie er dem Instrument in St.
Ludwig neue Farben und Klänge entlocken kann, lässt
es großartig aufrauschen oder verhalten klagen, und türmt
in der zentralen Improvisation über „Christ fuhr gen
Himmel" Akkorde und aufsteigende Figuren zu einer gewaltigen
Apotheose. Mit seinem über Jahrzehnte geschulten Gespür
für Aufbau, Atem und Spannungsbogen einer Improvisation findet
der 70-jährige Künstler stets neue Lösungen und
lässt dabei dem Hörer und der Hörerin Raum für
die eigene Phantasie. Manches wirkt experimentell avantgardistisch,
anderes beleuchtet vertraute Formen oder Melodien neu oder
lässt aus der Tiefe des Orgelkomplexes eine Choralmelodie
aufscheinen. Ursprünglich zur Erheiterung des Aufnahmeteams
gedacht, bildet sogar der „Liebe Augustin" in der Symbiose
von Bodensee-Heiterkeit und wienerischer Melancholie den augenzwinkernden
Schlusspunkt. Die Königin der Instrumente spricht viele Sprachen,
Günther Fetz weiß sie herauszulocken.
Schwäbische Zeitung 20.12.2007
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